Von der Arbeitsreitweise der Cowboys zum Turniersport

von Gerald Henseler. Quelle: Was ist Westernreiten von Boy Herre©

Das Westernreiten entwickelte sich im „wilden“ Westen des damals noch kaum besiedelten Amerikas. Spanische Mönche und Adelige hielten damals um ihre Haziendas riesige Rinderherden ohne Zäune. Die Rinderhirten (Vaqueros) hatten ihren eigenen Reitstil. Den alt-spanischen Stil ihrer Herren Hazienderos passten sie an die Bedürfnisse ihres Alltages an. Im Osten und Süden der USA hatten die Cowboys eine eigene Gebrauchsreitweise aus den Stilen der dort eingewanderten Europäer entwickelt. Noch heute unterscheidet man die Westernreiterei zurückgehend auf ihren Ursprung in Texas Style (Reitweise der Cowsboys) und California Style (entwickelt aus der spanische Reitweise). Aus den im Alltag bewährten Kenntnissen der Rinderhirten entwickelte sich die gegenwärtige Westernreiterei und in ihrer Folge der moderne Turniersport Westernreiten.

Ein gehorsames Pferd war bei der Arbeit der Cowboys unerlässlich. Es musste auf leichte Hilfen gehorchen und einhändig zu reiten sein, damit der Cowboy die andere Hand für seine Arbeit frei hatte. Bei der Rinderarbeit schätzten die Cowboys zudem den sogenannten cow sense ihrer Pferde, der sie selbstständig handeln ließ. Da die Arbeit der Cowboys oft in unwegsames Gelände führte, mussten ihre Pferde trittsicher, hellwach, nervenstark und gut ausbalanciert sein. Diese Eigenschaften zeichnen noch heute ein gutes Westernpferd aus und machen es sowohl für den Freizeitreiter als auch für den Turniersport zum geeigneten Partner.

Umgänglichkeit und Verlässlichkeit sind wohl die beiden Schlüsselbegriffe, die die Faszination des Westernreitens erklären. Ohne das Vertrauen des Pferdes in den Menschen ist das nicht möglich. Die Westernreitweise muss also auch dem Pferd gefallen. Wer beim Westernreiten einen besonders rauhbeinigen Umgang mit dem Pferd im Auge hat, dürfte seine Kenntnisse ausschließlich aus Film und Fernsehen haben. Die Westernreiterei setzt auf einen harmonischen Umgang zwischen Pferd und Reiter. Die Hilfen des Westernreiters beschränken sich hauptsächlich auf kurze Signale wie sporadisches, leichtes Annehmen der Zügel, Schenkel- und Gewichtshilfen. Damit das Pferd diese Hilfen versteht, bedarf es einer sehr guten Ausbildung.

Aus der einstigen Arbeitsreitweise der Cowboys hat sich heute ein ernsthafter Turniersport entwickelt. Gleichzeitig haben viele Freizeitreiter den harmonischen Umgang aus der Westernreitweise für ihre Partnerschaft mit dem Pferd entdeckt.

Western-Horsemanship beziehen die Westernreiter aber nicht nur auf die Ausbildung ihrer Pferde, sondern auch auf deren artgerechte Haltung. Horsemanship ist ein Ehren-Kodex, eine Verpflichtung zu einer ethischen Grundhaltung. Western Horsemanship setzt ein besonders pferdegerechtes Verhalten des Reiters voraus. Vor allem gehört dazu der korrekte und feine Einsatz der Ausrüstungsgegenstände.